RELATIONSHIP BLOG

Verfasst von Berta Schreckeneder | Kategorien: Beziehungen in Organisationen, Beziehungen zu anderen, Beziehungen zu sich selbst, Lernfelder, Praxisbeispiele, Übungen

Ich hatte die Gelegenheit unmittelbar hintereinander zwei Projekte in ihrer Startphase je zwei Tage zu begleiten. In den Teams arbeiten jeweils sechs Teammitglieder und beides sind Organisationsänderungsprojekte. In beiden Teams erlebte ich motivierte Menschen, denen ihr Projekt ein Anliegen für das Unternehmen ist. Sie wollen etwas konzipieren, das dann auch umgesetzt werden kann. Sie wollen nichts für den Papierkorb erstellen, sondern etwas, was dem Unternehmen zukünftig auf dem Markt dient.

Ich könnte jetzt eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten aufzeigen, doch war es vor allem ein Unterschied, der mich bewegte. Dieser Unterschied war permanent in der Zusammenarbeit wahrzunehmen.

In der einen Gruppe ist die unmittelbare Anwenderkompetenz vorhanden, insbesondere ein Teammitglied – welches dann auch die Projektleitung übernahm, steht persönlich und in dessen Praxis für dieses Thema.

Die zweite Projektgruppe hat kein Mitglied mit dieser Kompetenz dabei: Es gibt keinen Betroffenen, keinen Anwender, keinen, der einem in der laufenden Projektarbeit sagen kann, ob man auf dem richtigen Pfad ist. Die Zielgruppe ist eine völlig andere/fremde Personengruppe, für die auch erst eine eigene Sprache im Unternehmen zu finden ist, was das Ganze besonders schwierig macht.

Sie können sich vorstellen, dass der Projekt-Workshop der ersten Gruppe arbeitsreich und recht fließend war, während in der zweiten Gruppe oftmals dieses Ringen um das Thema und die Zusammenarbeit spürbar wurde. Man will das Projekt nehmen, aber eigentlich hat es noch nicht wirklich etwas mit einem selbst zu tun. Keiner hat jemals gefühlt, wie es einem als Betroffener geht. Die Gruppe hat das für sich erkannt und Ideen entwickelt, wie sie sich den Betroffenen besser nähern und wie sie mitfühlen können. Wunderbar!

In der Organisationsänderung sind wir mit unseren Projekten immer so gut, wie es uns gelingt, die Betroffenen einzubinden. Ist das – wie in diesem aktuellen zweiten Projekt – so gar nicht möglich, braucht es die Kreativität des Teams, um annähernd an das Gefühl der Betroffenen heranzukommen. Das ist wertvolle Projektzeit, die dafür investiert wird – natürlich. Und meines Erachtens geht es ohne dieses Fühlen nicht. Wie sollen sie den wissen, wo es hingeht, wenn sie so etwas noch nie gefühlt haben?  Unser Denken ist dazu einfach nicht in der Lage, wir schießen in der Regel damit am Ziel vorbei. Und Bücher – mit den Erfahrungen anderer – sind zwar gut, aber auch sie helfen nicht solche neuartigen Projekte zum Erfolg zu führen.

Fühlen in der Projektarbeit hat etwas mit Intelligenz zu tun! Und diese Intelligenz ist gefragt, wenn Neues geschaffen wird.

 

Wasserherz
Foto: Luftbild von airpix at

Veranstaltungstipp: RaumTraum am 26.4.2014 in München

 

 

 

 

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