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Verfasst von Berta Schreckeneder | Kategorien: Beziehungen in Organisationen, Beziehungen zu anderen

Warum fällt uns das Trennen von Zielen, von Aufgaben, von Gewohnheiten so schwer? Auch das Trennen von einem geliebten Menschen, selbst von seinem Feind fällt oft schwer. Warum eigentlich? Und warum ist es wichtig, das Trennen genauso zu lernen, wie das Eingehen von neuen Bindungen und Beziehungen?

In Bindungen erleben wir Respekt, Anerkennung, dazugehören, angenommen sein, geachtet und geliebt zu werden ... das gibt Selbstsicherheit, Vertrauen und die Grundlage für selbst bestimmtes Handeln. Entscheidend ist die Qualität der Bindungen, nicht die Zeit, die man miteinander verbringt. Für die Zufriedenheit des Menschen ist auch wesentlich, dass beides ausgewogen erlebt wird, die Bindung an Personen und Ziele.

Verständlich, dass jeder Mensch nach Bindung (Grundbedürfnis) mit anderen Personen und Aufgaben/Zielen strebt.  In jeder Beziehung/Bindung geht es immer um das sich Verbinden, Bleiben und Trennen. Ein Mensch braucht also die Fähigkeit Bindungen herzustellen, sie aufrecht zu halten und wieder loslassen zu können. Trennungen sind oft das Schwierigste für Einzelne.

Im beruflichen Umfeld gehören Trennungen zum daily-business. Andere Abteilung, anderer Standort für den Mitarbeiter, neuer Aufgabenbereich und eben auch Abschied vom Mitarbeiter – es sind alles Trennungen von Bindungen, die eingegangen wurden und Sicherheiten boten.

Dabei kommen Trennungen ständig im Leben vor. Ob beim Verlassen des Kindergartens in die Schule, am Ende einer Freundschaft, beim Tod eines geliebten Menschen – Trennungen sind wesentliche Lebenserfahrungen. Die Fähigkeit sich in Beziehungen einzulassen impliziert auch die Fähigkeit loszulassen. Und Loslassen kann jener Mensch, der seine Gefühle, wie Trauer, Wut, Angst, Schmerz fühlen und in den Ausdruck bringen kann. Verleugnung, Nicht-wahr-haben-wollen, der Schuldige wird gesucht, Depression, Verzweiflung – all das passiert, bis der Verlust angenommen wird und das braucht Zeit. Die Trauer, die sein darf und erlebt werden darf – all das ist wesentlich, um später neue Bindungen eingehen zu können.

Menschen in besonderen Rollen im Beruf, insbesondere Führungskräfte erfahren oft Einsamkeit. Sie gehören nicht zu einem Team, erleben häufig Konflikte, erhalten wenig bis kein Feedback und Persönliches ist tabu.  Ein Grund, warum es für diese Akteure in Trennungssituationen Unterstützung braucht. Sie sind es oft gewohnt, ihre Ängste und Bedrohungen abzuspalten. Sie reagieren in ihrer Hilflosigkeit mit Zynismus, um sich zu schützen und Distanz herzustellen. Oder Sie nehmen die Haltung des Starken ein, um den Schein zu wahren. Sie schlagen in Trennungsgesprächen vielleicht mit kalter Hand zu und der Mitarbeiter erlebt keinen wertschätzenden Abschied für seine Arbeit – unabhängig davon was er geleistet oder nicht geleistet hat. Die Würde eines Menschen gilt es zu wahren – in jeder Situation. Und dafür hat eine Führungskraft zu sorgen.

Vorbereitende Trainings oder ein Coaching für Führungskräfte, die vor dieser Aufgabenstellung stehen, sind wesentlich. Im Coaching werden eigene Muster, eigenes Verhalten in Trennungssituationen bewusst gemacht. Genau das braucht es, um bewusst und professionell auch in derart schwierigen Aufgabenstellungen zu arbeiten.

 

 

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